Die 5 Saiter Bass Geschichte ist eng mit dem Wunsch verbunden, den Tonumfang des E-Basses zu erweitern, ohne ständig die Lage wechseln oder umstimmen zu müssen. Während der klassische viersaitige Bass lange Zeit als Standard galt, gehört der Fünfsaiter heute in vielen Stilrichtungen zum professionellen Alltag. Er liefert tiefe Subbässe, zusätzliche Akkordmöglichkeiten und mehr Flexibilität bei Arrangements.
Seine Entwicklung verlief jedoch nicht geradlinig. Schon historische Kontrabässe wurden mit fünf oder mehr Saiten gebaut. Beim elektrischen Bass dauerte es dagegen bis in die 1960er- und 1970er-Jahre, ehe sich ernsthafte Konzepte für eine zusätzliche Saite herausbildeten. Erst durch technische Fortschritte bei Halskonstruktion, Tonabnehmern, Saiten und Verstärkung wurde der Fünfsaiter zu einem zuverlässigen Bühnen- und Studioinstrument.
Die frühen Vorläufer: Fünf Saiten beim Kontrabass
Die Idee eines fünfsaitigen Basses ist deutlich älter als der E-Bass. Im 17. und 18. Jahrhundert existierten Kontrabässe in unterschiedlichen Größen und mit verschiedenen Saitenzahlen. Fünfsaitige Instrumente waren besonders im Orchester sinnvoll, weil sie einen größeren Tonumfang ermöglichten. Je nach Stimmung lag die zusätzliche Saite entweder im tiefen Bereich oder oberhalb der üblichen vier Saiten.
Im klassischen Kontrabassbau setzte sich schließlich vor allem die viersaitige Variante durch. Eine verbreitete Stimmung lautet E–A–D–G, also eine Quarte zwischen den Saiten. Für bestimmte Orchesterwerke kamen später sogenannte C-Extensions hinzu. Dabei wird die tiefste E-Saite mit einer mechanischen Verlängerung bis zum tiefen C oder H verlängert. Dieses Prinzip erfüllt eine ähnliche Aufgabe wie die tiefe H-Saite des modernen Fünfsaiters, ohne dass ein komplett neues Instrument erforderlich ist.
Der elektrische Bass übernahm zunächst die viersaitige Grundidee. Leo Fenders Precision Bass und Jazz Bass prägten seit den 1950er-Jahren das verbreitete Format mit 34 Zoll Mensur und der Stimmung E–A–D–G. Für die meisten Rock-, Blues- und Popproduktionen war dieser Tonumfang ausreichend. Erst als sich Arrangements, Spieltechniken und Klangvorstellungen veränderten, entstand ein größerer Bedarf an zusätzlichen tiefen Tönen.
Der erste elektrische Fünfsaiter: Fender Bass V
Ein wichtiger Meilenstein war der Fender Bass V, der Mitte der 1960er-Jahre vorgestellt wurde. Anders als heutige Fünfsaiter besaß dieses Instrument keine tiefe H-Saite, sondern eine hohe C-Saite. Seine Stimmung entsprach damit E–A–D–G–C. Fender reagierte auf den Wunsch einiger Bassisten nach erweiterten Melodie- und Akkordmöglichkeiten, vor allem in Jazz und anspruchsvolleren Studioproduktionen.
Der Bass V war seiner Zeit in mehreren Punkten voraus. Er verfügte über eine lange Mensur, eine ungewöhnliche Brücke und eine Konstruktion, die das präzise Intonieren der zusätzlichen Saite ermöglichen sollte. In der Praxis konnte sich das Modell jedoch nicht gegen die etablierten viersaitigen Bässe durchsetzen. Die hohe C-Saite bot zwar neue musikalische Optionen, war für viele Bassisten aber weniger unmittelbar nützlich als eine tiefe H-Saite.
Hinzu kamen konstruktive Eigenheiten, die den Bass V schwer zugänglich machten. Die Saitenlage und die Brückenkonstruktion wurden häufig als ungewohnt beschrieben. Auch der Markt war noch nicht bereit für ein Instrument, das den vertrauten Aufgabenbereich des Bassisten deutlich veränderte. Der Bass V blieb deshalb ein Nischenmodell. Historisch ist er dennoch bedeutend: Er zeigte, dass der elektrische Bass nicht zwingend auf vier Saiten begrenzt sein musste.
Warum sich die tiefe H-Saite durchsetzte
Die heute typische Stimmung eines Fünfsaiters lautet meist H–E–A–D–G. Die zusätzliche Saite erweitert den Tonumfang nach unten bis zum tiefen H. Das ist im modernen Bandkontext besonders praktisch, weil viele Gitarristen ihre Instrumente tiefer stimmen oder siebensaitige Gitarren verwenden. Der Bass kann diese tiefen Grundtöne spielen, ohne die gesamte Griffbrettlogik zu verändern.
Die tiefe H-Saite bietet außerdem eine größere Auswahl bei der Lagenwahl. Ein E lässt sich beispielsweise auf der leeren vierten Saite oder am siebten Bund der tiefen H-Saite spielen. Dadurch kann der Bassist eine Phrase in einer Position ausführen und Leersaiten gezielter einsetzen. In Funk, Gospel, Fusion, Metal, moderner Popmusik und Filmmusik ist dieser zusätzliche Spielraum besonders wertvoll.
Technisch ist die tiefe H-Saite anspruchsvoll. Sie muss klar und definiert klingen, darf aber nicht schlabbern oder unkontrolliert schwingen. Entscheidend sind deshalb eine passende Mensur, ein stabiler Hals, eine präzise Sattelkerbe und ein gut abgestimmter Saitensatz. Bei einer 34-Zoll-Mensur kann die H-Saite funktionieren, viele Spieler bevorzugen für mehr Spannung und Definition jedoch 35 Zoll oder eine sogenannte Multiscale-Konstruktion.
Die 1970er-Jahre: Custom-Bassbau und neue Konzepte
In den 1970er-Jahren begannen spezialisierte Hersteller und Bassbauer, fünfsaitige Instrumente für professionelle Anwender zu entwickeln. Firmen wie Alembic verbanden aufwendige Holzkonstruktionen mit aktiver Elektronik, individuellen Mensuren und leistungsfähigen Tonabnehmern. Der Fünfsaiter wurde damit nicht länger nur als ungewöhnliche Variante des Standardbasses verstanden, sondern als eigenständiges Werkzeug für Studio, Bühne und anspruchsvolle Arrangements.
Eine wichtige Rolle spielte auch die Entwicklung aktiver Vorverstärker. Passive Tonabnehmer konnten das breite Frequenzspektrum einer tiefen H-Saite zwar übertragen, doch aktive Schaltungen boten mehr Reserven bei Klangformung und Ausgangssignal. Gleichzeitig verbesserten sich Saitenmaterialien und Wickeltechniken. Eine straffe, sauber intonierende H-Saite wurde dadurch für mehr Spieler erreichbar.
Der amerikanische Bassist Anthony Jackson gilt als einer der wichtigen Befürworter des erweiterten Bassumfangs. Er setzte sich früh für den fünfsaitigen Bass ein und beeinflusste Hersteller bei der Entwicklung professioneller Instrumente. Jacksons Ansatz war nicht bloß technisch motiviert: Der Bass sollte sich in größeren Ensembles melodischer und harmonisch unabhängiger bewegen können.
Der Durchbruch in den 1980er-Jahren
In den 1980er-Jahren wurde der Fünfsaiter zunehmend als Serieninstrument angeboten. Yamaha stellte mit dem BB5000 ein Modell vor, das häufig als eines der ersten erfolgreichen modernen Serieninstrumente mit tiefer H-Saite genannt wird. Es verband eine verlängerte Mensur, aktive Elektronik und eine robuste Konstruktion mit der Spielbarkeit eines klassischen E-Basses.
Parallel dazu etablierten sich Hersteller wie Ibanez, Spector, Ken Smith und Tobias mit eigenen Konzepten. Instrumente mit durchgehendem Hals, aktiven Klangregelungen und hochwertigen Brückensystemen wurden populärer. Der Fünfsaiter passte besonders gut zur Ästhetik der 1980er-Jahre: präzise, brillant, technisch flexibel und für große Bühnen geeignet.
Auch die Musikproduktion veränderte sich. Synthesizer, Drumcomputer und digitale Aufnahmetechnik verlangten nach einem Bass, der tiefe Frequenzen kontrolliert und reproduzierbar liefern konnte. Der Fünfsaiter ergänzte diese Entwicklung, solange sein tiefer Bereich sauber mit der übrigen Produktion abgestimmt wurde. In vielen Produktionen wurde die H-Saite zunächst gezielt für einzelne Töne verwendet, statt dauerhaft im tiefsten Register zu spielen.
Von der Spezialanfertigung zum Standardinstrument
Seit den 1990er-Jahren ist der Fünfsaiter in zahlreichen Stilrichtungen etabliert. Im Funk erlaubt er flüssige Linien mit weniger Lagenwechseln. Im Gospel und R&B unterstützt er komplexe Akkordfolgen und große, tiefe Voicings. Im Metal und modernen Rock folgt er tief gestimmten Gitarren. Im Jazz und Fusion erweitert er den solistischen und harmonischen Zugriff.
Die Konstruktionen wurden dabei immer vielfältiger. Klassische 34-Zoll-Instrumente stehen neben 35-Zoll-Bässen und Multiscale-Modellen. Die zusätzliche Saite kann als tiefe H-Saite ausgelegt sein, manche Fünfsaiter besitzen jedoch weiterhin eine hohe C-Saite. Welche Variante sinnvoll ist, hängt vom musikalischen Einsatz ab: Wer tiefe Grundtöne und Druck benötigt, wählt meist H–E–A–D–G. Für Akkordspiel, Soli und einen großen oberen Tonumfang kann E–A–D–G–C die bessere Lösung sein.
Setup und Spielgefühl beim modernen Fünfsaiter
Ein guter Fünfsaiter beginnt mit der richtigen Saitenwahl. Für die tiefe H-Saite sind ausgewogene Sätze wichtig, damit Lautstärke und Spannung zwischen den Saiten zusammenpassen. Eine zu dünne H-Saite klingt oft undefiniert; eine zu starke Saite kann sich steif anfühlen und benötigt möglicherweise Anpassungen an Sattel und Hals.
Die Halskrümmung sollte so eingestellt sein, dass die tiefe Saite beim Anschlag ausreichend Platz hat. Gleichzeitig darf die Saitenlage nicht unnötig hoch werden. Besonders wichtig ist die Intonation: Bei langen oder mehrteiligen Saiten kann der Auflagepunkt der H-Saite deutlich weiter nach hinten liegen als bei den höheren Saiten. Eine präzise Brücke mit einzeln verstellbaren Reitern erleichtert diese Einstellung.
Beim Spielen hilft eine saubere rechte Hand. Viele Bassisten dämpfen die tiefe H-Saite mit dem Daumen oder nutzen eine Drei-Finger-Technik, um unerwünschte Resonanzen zu kontrollieren. Auch die linke Hand sollte nicht benötigte Saiten konsequent abdämpfen. Der größere Tonumfang ist nur dann ein Vorteil, wenn die zusätzlichen Schwingungen musikalisch und technisch kontrolliert bleiben.
Die Bedeutung des Fünfsaiters heute
Der moderne Fünfsaiter ist kein bloßes Effektinstrument für besonders tiefe Töne. Seine eigentliche Stärke liegt in der erweiterten Organisation des Griffbretts. Tonleitern, Arpeggien und Basslinien lassen sich oft in einer Position spielen, in der ein Viersaiter mehrere Lagenwechsel verlangen würde. Dadurch entstehen neue Möglichkeiten für Legato, Akkordspiel und eine ökonomische Greifhand.
Gleichzeitig ersetzt ein Fünfsaiter nicht automatisch den Viersaiter. Das zusätzliche Griffbrett und der größere Hals können für Anfänger zunächst ungewohnt sein. Wer hauptsächlich klassische Rocklinien spielt, profitiert möglicherweise mehr von einem gut eingestellten Viersaiter. Für ambitionierte Bassisten lohnt es sich jedoch, beide Konzepte kennenzulernen und die Wahl vom Repertoire, der Mensur und dem persönlichen Spielgefühl abhängig zu machen.
Fazit
Die 5 Saiter Bass Geschichte reicht von historischen Kontrabässen über den kurzlebigen Fender Bass V bis zum professionellen Serieninstrument mit tiefer H-Saite. Der entscheidende Schritt war die Verbindung aus erweitertem Tonumfang, zuverlässiger Konstruktion und moderner Elektronik. Heute ist der Fünfsaiter in vielen Genres ein vollwertiges Hauptinstrument.
Wer seinen ersten Fünfsaiter auswählt, sollte nicht nur auf die Anzahl der Saiten achten. Mensur, Halsprofil, Saitenspannung, Pickup-Konfiguration und die Qualität der tiefen H-Saite bestimmen maßgeblich, ob das Instrument im Alltag überzeugt. Richtig eingestellt eröffnet der Fünfsaiter einen größeren musikalischen Horizont, ohne die grundlegende Logik des E-Basses aufzugeben.
Quellen & weiterführende Links
- Fender: Bass V – historische Produktinformationen
- Fender: Geschichte der Fender-Bässe
- Yamaha: BB-Bass-Serie und Entwicklung des BB5000
- Alembic: Unternehmens- und Entwicklungsgeschichte
- Guitar World: Historischer Überblick zum fünfsaitigen Bass
Passende Empfehlungen
Gitarre für Erwachsene und Kinder, Einsteigerfreundlicher Bass mit sattem Klang, Hochwertiges Laurel Griffbrett, Weißes Schlagbrett, 2-Farb-Sunburst
Signature traditionelle handgemachte der knackigen Ton, Klarheit und Volumen von Dr Saiten. Schwarz Beauties – extra-life, schwarz beschichtet
Die XT Saiten wurden speziell für eine längere Lebensdauer behandelt, wobei gleichzeitig der natürliche Klang und das Gefühl von unbeschichteten Saiten erhalten bleibt
*Werbung / Affiliate-Links: Wenn du über diese Links kaufst, erhalte ich eine kleine Provision. Für dich entstehen keine Mehrkosten.