Beim Tapping erzeugst du Töne, indem du die Saiten mit den Fingern der Greif- und Anschlaghand direkt auf das Griffbrett schlägst. Dadurch lassen sich schnelle Legato-Linien, große Intervallsprünge, Akkorde und mehrstimmige Bassparts spielen. Die Technik wirkt zunächst spektakulär, basiert aber auf wenigen klaren Bewegungsabläufen.
Wenn du Bass Tapping lernen möchtest, sind Kraft und Geschwindigkeit nicht die wichtigsten Faktoren. Entscheidend sind ein präziser Auftreffpunkt, kontrollierte Pull-offs und konsequente Dämpfung. Mit den folgenden Übungen entwickelst du diese Grundlagen Schritt für Schritt.
Wie funktioniert Tapping auf dem Bass?
Ein normal angeschlagener Ton entsteht durch das Zupfen oder Anschlagen einer Saite. Beim Tapping übernimmt ein Finger diese Aufgabe direkt auf dem Griffbrett: Er trifft die Saite dicht hinter einem Bundstäbchen und drückt sie kurz auf den Bund. Der Aufprall versetzt die Saite in Schwingung.
Für typische Tapping-Linien werden drei Techniken kombiniert:
- Tap: Ein Finger der Anschlaghand schlägt einen Ton auf dem Griffbrett an.
- Pull-off: Der Finger verlässt die Saite mit einer kleinen seitlichen Abziehbewegung und bringt dadurch einen tieferen Ton zum Klingen.
- Hammer-on: Ein Finger der Greifhand schlägt einen höheren Ton an, ohne dass die Saite erneut gezupft wird.
In den Tabulaturen dieses Artikels steht T für einen Tap der Anschlaghand, h für Hammer-on und p für Pull-off. Die Übungen sind für einen viersaitigen Bass in Standardstimmung E–A–D–G notiert.
Die richtige Vorbereitung
Bass und Verstärker einstellen
Eine komfortable Saitenlage erleichtert das Tapping deutlich. Ist sie extrem hoch, musst du unnötig kräftig schlagen. Schnarren die Saiten bereits bei normalem Spiel, sollte zunächst das Setup kontrolliert werden. Eine mittlere bis niedrige Saitenlage ist ein guter Ausgangspunkt.
Stelle den Verstärker so ein, dass leise und laute Töne gut hörbar bleiben. Zu viel Verzerrung oder Kompression kann unsaubere Nebengeräusche verdecken. Übe zunächst mit einem klaren Sound und moderater Lautstärke. Ein leichter Kompressor darf Pegelunterschiede ausgleichen, sollte die Dynamik aber nicht vollständig einebnen.
Handposition und Auftreffpunkt
Lege den Daumen der Anschlaghand bei Bedarf auf der oberen Griffbrettkante oder kurzzeitig auf einer tiefen Saite ab. Der tappende Finger bleibt leicht gekrümmt. Geeignet sind Zeige- oder Mittelfinger; später kannst du beide verwenden.
Triff die Saite unmittelbar hinter dem gewünschten Bundstäbchen. In der Mitte des Bundfachs braucht es mehr Kraft, während ein Treffer direkt auf dem Metallbund häufig hart und unpräzise klingt. Der Impuls kommt hauptsächlich aus dem Fingergelenk, nicht aus einer großen Bewegung des gesamten Arms.
Bass Tapping lernen: Schritt-für-Schritt-Übungen
Schritt 1: Einen einzelnen Tap kontrollieren
Lege den Zeigefinger der Greifhand auf den 5. Bund der G-Saite. Tap mit dem Mittelfinger der Anschlaghand den 12. Bund. Lass den Finger zunächst auf der Saite liegen und prüfe, ob der Ton klar klingt.
G|--T12----T12----T12----T12--| D|----------------------------| A|----------------------------| E|----------------------------|
Spiele Viertelnoten bei 50 bis 60 BPM. Achte darauf, dass jeder Ton gleich laut ist. Erhöhe erst dann auf 70 BPM, wenn acht Takte ohne Schnarren, Leersaitengeräusche oder rhythmische Schwankungen gelingen.
Schritt 2: Tap und Pull-off verbinden
Halte weiterhin den 5. Bund der G-Saite. Nach jedem Tap am 12. Bund ziehst du den Tapping-Finger leicht nach unten ab. So klingt anschließend der gegriffene Ton am 5. Bund. Hebst du den Finger nur senkrecht an, bleibt dieser zweite Ton meist zu leise.
G|--T12-p5-T12-p5-T12-p5-T12-p5--| D|--------------------------------| A|--------------------------------| E|--------------------------------|
Spiele gleichmäßige Achtelnoten bei 50 BPM. Der Tap liegt auf dem Klick, der Pull-off jeweils dazwischen. Steigere in Schritten von 5 BPM bis maximal 80 BPM. Ziel ist nicht Lautstärke, sondern ein ausgeglichener Wechsel zwischen beiden Tönen.
Schritt 3: Hammer-ons ergänzen
Nun kommt ein dritter Ton hinzu. Greife den 5. Bund mit dem Zeigefinger und spiele den 7. Bund als Hammer-on mit dem Ringfinger. Danach tappst du den 12. Bund und ziehst über den 7. Bund zurück zum 5. Bund ab.
G|--5-h7-T12-p7-p5-h7-T12-p7-p5--| D|--------------------------------| A|--------------------------------| E|--------------------------------|
Behandle jeweils sechs Töne als eine Gruppe. Beginne mit Sechzehntel-Triolen bei 40 BPM oder spiele zunächst frei und sehr langsam. Zähle „eins-und-die-und-das-und“, damit alle Töne denselben Abstand erhalten. Sobald die Bewegung sicher ist, steigere auf 50 bis 60 BPM.
Schritt 4: Die Technik auf weitere Saiten übertragen
Wiederhole das Grundmuster nacheinander auf G-, D-, A- und E-Saite. Auf den dickeren Saiten ist meist ein etwas klarerer Impuls nötig. Vermeide trotzdem, aus dem Handgelenk auf das Griffbrett zu schlagen.
G|--T12-p5-T12-p5-------------------------| D|----------------T12-p5-T12-p5-----------| A|--------------------------------T12-p5--| E|----------------------------------------|
Übe bei 55 BPM in Achtelnoten. Nach vier Wiederholungen wechselst du die Saite. Dämpfe bereits gespielte Saiten mit freien Fingern der Greifhand oder mit der Handkante der Tapping-Hand.
Schritt 5: Eine musikalische Dreiklangfigur spielen
Mit Tapping lassen sich große Intervalle bequem verbinden. Die folgende Figur bildet auf der G-Saite einen C-Dur-Dreiklang: C am 5. Bund, E am 9. Bund und G am 12. Bund. Greife C mit der linken Hand, tappe E mit dem Zeigefinger und G mit dem Mittelfinger der Anschlaghand.
G|--5-T9-T12-T9-5-T9-T12-T9--| D|----------------------------| A|----------------------------| E|----------------------------|
Beginne mit Achtelnoten bei 45 BPM. Der erste Ton kann mit der Greifhand angeschlagen oder vor dem Einstieg normal gezupft werden. Spiele anschließend dieselbe Form zwei Bünde höher als D-Dur und weitere zwei Bünde höher als E-Dur. Damit wird aus einer Technikübung eine harmonisch nutzbare Begleitfigur.
Saiten abdämpfen: Der Schlüssel zu sauberem Tapping
Beim Tapping entstehen leicht Resonanzen auf ungespielten Saiten. Diese Nebengeräusche fallen bei verzerrtem oder komprimiertem Sound besonders stark auf. Gute Dämpfung ist deshalb genauso wichtig wie die eigentliche Tonerzeugung.
- Berühre tiefere Saiten locker mit dem Daumen oder der Handkante der Anschlaghand.
- Nutze freie Finger der Greifhand, um benachbarte höhere Saiten zu berühren.
- Lass gegriffene Finger nach einem Ton auf der Saite liegen, ohne sie weiter auf den Bund zu drücken.
- Übe kurze Passagen bewusst mit Pausen. In den Pausen darf kein Nachklingen hörbar sein.
Ein Haargummi oder professioneller Saitendämpfer kann bei Aufnahmen helfen, ersetzt jedoch keine aktive Dämpftechnik. Für das tägliche Training sollte das Instrument zunächst ohne solche Hilfsmittel kontrolliert werden.
Häufige Fehler und ihre Korrektur
Der getappte Ton ist zu leise
Ursache: Der Finger trifft zu weit vom Bundstäbchen entfernt oder bleibt nach dem Treffer nicht stabil auf der Saite. Korrektur: Reduziere das Tempo und ziele direkt hinter den Bund. Verwende eine kurze, entschlossene Bewegung statt eines großen Ausholens.
Der Pull-off klingt schwächer als der Tap
Ursache: Der Tapping-Finger wird senkrecht angehoben. Korrektur: Ziehe ihn minimal seitlich über die Saite. Die Bewegung soll klein bleiben, damit benachbarte Saiten nicht berührt werden.
Die Hände spielen rhythmisch gegeneinander
Ursache: Die Tonfolge wurde zu früh beschleunigt. Korrektur: Klopfe den Rhythmus zunächst mit beiden Händen auf einen Tisch. Spiele danach nur zwei Töne pro Klick und erhöhe das Tempo in 5-BPM-Schritten.
Es entstehen viele Nebengeräusche
Ursache: Beide Hände konzentrieren sich ausschließlich auf die gespielten Noten. Korrektur: Übe jede Figur zunächst auf nur einer Saite und kontrolliere nach jedem Durchgang die übrigen Saiten. Nimm dich mit dem Smartphone auf; Nebengeräusche sind in der Aufnahme oft deutlicher hörbar.
Unterarm oder Hand verkrampfen
Ursache: Zu viel Kraft, ein stark abgeknicktes Handgelenk oder zu lange Übeeinheiten. Korrektur: Schüttle die Hände aus, richte das Handgelenk neutraler aus und arbeite in kurzen Intervallen. Schmerzen sind kein Trainingseffekt. Unterbrich die Übung und überprüfe Haltung sowie Bewegungsumfang.
15-Minuten-Übeplan für Bass-Tapping
- 2 Minuten – Aufwärmen: Spiele langsame Hammer-ons und Pull-offs zwischen dem 5. und 7. Bund bei 50 BPM.
- 3 Minuten – Einzelne Taps: Übe den 12. Bund auf jeder Saite als Viertelnoten bei 60 BPM.
- 4 Minuten – Tap und Pull-off: Spiele das Muster T12–p5 als Achtelnoten bei 55 bis 70 BPM.
- 3 Minuten – Dreitonfigur: Verbinde 5–h7–T12–p7–p5 bei einem Tempo, das vollständige Kontrolle erlaubt.
- 2 Minuten – Musikalische Anwendung: Spiele die Dreiklangfigur über C-Dur, D-Dur und E-Dur.
- 1 Minute – Kontrolle: Wiederhole die sauberste Figur langsam und achte ausschließlich auf Dämpfung und gleichmäßige Lautstärke.
Trainiere diesen Ablauf vier- bis fünfmal pro Woche. Notiere das höchste Tempo, bei dem du eine Übung dreimal fehlerfrei spielen kannst. Geschwindigkeit zählt nur dann als Fortschritt, wenn Timing, Klang und Entspannung erhalten bleiben.
Fazit
Wer Bass Tapping lernen will, sollte nicht mit möglichst schnellen Sololäufen beginnen. Ein klarer Tap, ein kontrollierter Pull-off und zuverlässige Saitendämpfung bilden das Fundament. Arbeite mit Metronom, steigere das Tempo langsam und übertrage einfache Muster früh auf Dreiklänge oder kleine Basslinien. Schon 10 bis 15 konzentrierte Minuten pro Übetag reichen aus, um nach wenigen Wochen deutlich gleichmäßigere und musikalisch einsetzbare Tapping-Passagen zu entwickeln.
Quellen & weiterführende Links
- Fender: Spieltechniken und Übungen für Bass und Gitarre
- StudyBass: Grundlagen der Bass-Spieltechnik
- TalkingBass: Bass-Lektionen und Technikübungen
- Victor Wooten: Offizielle Website und Lernangebote
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