Der Basssound der Red Hot Chili Peppers (RHCP) ist legendär. Flea, der Bassist und Mitbegründer der Band, hat mit seinem charakteristischen Spiel das Genre Funk Rock maßgeblich geprägt. Für ambitionierte Bassisten lohnt sich ein Blick auf den historischen Kontext, das instrumentelle Setup und die Spieltechnik, die den typischen RHCP Bass Sound ausmachen. In diesem Artikel erfährst du, wie diese Klangästhetik entstanden ist, welche Instrumente Flea bevorzugt und wie du Ansätze daraus für dein eigenes Bassspiel adaptieren kannst.
Historischer Kontext: Die Entstehung des ikonischen RHCP Bass Sounds
Die Red Hot Chili Peppers gründeten sich Anfang der 1980er Jahre im aufstrebenden kalifornischen Punk- und Funk-Umfeld von Los Angeles. Flea, ein begnadeter Multiinstrumentalist mit jazzigem Background, brachte einen neuartigen Ansatz in die Rockmusik: Er verband Punk-Funk-Grooves mit alternatives Rock-Feeling. Der RHCP Bass Sound entwickelte sich aus dieser Symbiose von Punk-Aggressivität, Funk-Slap-Technik und melodischem Songwriting.
In den frühen Alben, wie “The Red Hot Chili Peppers” (1984) und “Freaky Styley” (1985), dominierte ein roher, energiegeladener Sound begleitet von Slap- und Pop-Techniken. Im Laufe der Jahre wurde das Klangbild differenzierter und nuancierter, insbesondere ab “Blood Sugar Sex Magik” (1991), das als Durchbruchsalbum gilt. Hier verschmolzen satte, warme Basslinien mit Funk-Riffs und melodischer Tiefe – der Sound, der Flea und die Band weltweit bekannt machte.
Einflussreiche Bands und Genres auf Fleas Sound
- Funk-Legenden wie Bootsy Collins und Larry Graham
- Punk-Bands wie The Clash und The Germs
- Jazz- und Fusion-Einflüsse durch Fleas musikalische Ausbildung
Diese Einflüsse zeigen sich in der Mischung aus Slap-Percussion, chromatischen Läufen und groovenden Riffs, die den RHCP Bass unverwechselbar machen.
Das Instrument und Setup für den typischen RHCP Bass Sound
Fleas Bass-Sound ist nicht einfach nur sein Spielstil, sondern auch das Ergebnis jahrelanger Optimierung seines Equipments. Für ambitionierte Bassisten ist es spannend, die Ausstattung zu kennen, die den Klang entscheidend prägt.
Fleas Hauptinstrumente
- Fender Jazz Bass: Flea verwendet meist modifizierte Fender Jazz Bässe (z. B. “Flea Signature Jazz Bass”). Das Instrument ist bekannt für seine mittigen Mitten, schnelles Anspracheverhalten und klare Definition auf den Bass-Saiten.
- Modifikationen: Tonewood, konischer Hals und spezielle Pickups sorgen für einen aggressiven, dennoch runden Klang.
- Gelegentlich Precision Bass und andere Modelle: Flea wechselt je nach Song den Bass, um unterschiedliche Klangfarben abzudecken.
Verstärker und Effekte
Der Klang der RHCP kommt nicht nur vom Bass, sondern auch von der Verstärker- und Effektkette:
- Amps: Flea ist bekannt für den Einsatz von Ampeg SVT Röhrenverstärkern, die ihm voluminösen Bass mit durchsetzungsfähiger Mittenstruktur geben.
- Effekte: Klassische Effekte sind Envelope Filter (Wah oder “Auto Wah”) für funky Sounds, Overdrive-Pedale für den rockigeren Crunch und gelegentliche Modulationseffekte.
- Direktaufnahme: Flea mischt oft ein DI-Signal mit dem Amp-Klang, um sowohl Druck als auch Definition im Mix zu erzielen.
Tonregler und Technik am Instrument
Das Klangbild entsteht auch durch Fleas Umgang mit den Tonreglern am Bass. Im Allgemeinen fährt er den Bass sehr präsent, die Höhen eher moderat und setzt die Mitten stark ein, um sich im Bandgefüge durchsetzen zu können.
Spieltechnik und Soundgestaltung
Fleas Spieltechnik ist das Herzstück des RHCP Bass Sounds. Ambitionierte Bassisten können von seiner Kombination aus Slap- und Fingerstyle viel lernen.
Slap- und Pop-Technik
Die Slap-Bass-Technik bringt perkussive Schläge aufs Griffbrett, während Pop den Ton explosiv anschlägt. Flea kombiniert diese Techniken mit schnellen Läufen und chromatischen Riffs, was seinen groovigen Funk-Sound erzeugt.
Mischung aus Fingerstyle und Plektrum
Obwohl Flea hauptsächlich mit den Fingern spielt, wechselt er situativ auf Plektrum, um einen bissigeren Ton zu erzielen – etwa auf härteren Rock-Tracks. Im Funk steht hingegen klar die Fingertechnik im Vordergrund.
Musikalische Phrasierung und Dynamik
Fleas Spiel besticht durch dynamische Variationen – von gedämpften Ghost-Notes bis zu kraftvollen Akzenten. Er versteht es, den Groove anzutreiben und doch Raum für melodische Details zu lassen.
Tipps für Bassisten: So kommst du dem RHCP Bass Sound näher
- Nutze Slap- und Pop-Techniken gezielt: Übe percussives Spiel mit Daumen und Zeige-/Mittelfinger.
- Setze Mitten gezielt ein: Betone die Mittenfrequenzen in deinem Amp oder EQ, um im Bandgefüge präsent zu sein.
- Wechsle zwischen Fingerstyle und Plektrum: Passe deine Technik dem Song an, um unterschiedliche Klangfarben zu erzeugen.
- Experimentiere mit Envelope Filtern: Ein Wah-Pedal kann den funkigen Spirit deines Sounds hervorrufen.
- Arbeite an deiner Phrasierung und Groove: Achte auf dynamische Vielfalt und rhythmische Präzision.
Empfohlene Übungsstücke
- “Give It Away” – perfektes Beispiel für Slap-Funk und Drive
- “Under The Bridge” – melodisches Fingerstyle-Spiel
- “Suck My Kiss” – harte Riffs mit Plektrum-Klang
Fazit
Der RHCP Bass Sound ist das Ergebnis eines ausgefeilten Zusammenspiels von Instrument, Verstärker, Effekten und nicht zuletzt Fleas einzigartiger Spieltechnik. Historisch geprägt von Punk-Funk-Wurzeln und Jazz-Elementen, zeichnet sich der Sound durch seine Mischung aus Slap-Perkussion, präsenten Mitten und dynamischer Phrasierung aus. Für Bassisten bietet er ein faszinierendes Feld, um Groove, Technik und Sounddesign weiterzuentwickeln. Wer Fleas Herangehensweise versteht und in die Praxis umsetzt, bringt seinen eigenen Bass Sound auf ein neues Level.