Seit Ende der 1970er-Jahre steht die BB-Serie für einen eigenständigen Yamaha-Sound: druckvoll, klar definiert und auf der Bühne ausgesprochen zuverlässig. Dabei war der Yamaha BB nie bloß eine Kopie amerikanischer Klassiker. Die Instrumente kombinierten vertraute Splitcoil- und Singlecoil-Klänge mit japanischer Fertigungspräzision, konsequenter Weiterentwicklung und markanten Konstruktionsdetails.
Die Yamaha BB Bass Geschichte reicht von schweren Neck-through-Modellen über aktive High-End-Bässe und frühe Fünfsaiter bis zur heutigen Serie mit verschraubten Hälsen und diagonaler Saitenführung. Musiker wie Paul McCartney, Nathan East, Michael Anthony, Tony Kanal und Peter Hook trugen dazu bei, dass der BB in sehr unterschiedlichen Stilrichtungen zu hören war.
Was bedeutet Yamaha BB?
Das Kürzel BB steht für „Broad Bass“. Der Name beschreibt den ursprünglichen Anspruch recht treffend: Yamaha wollte ein Instrument mit breitem, tragfähigem Klang entwickeln, das sich sowohl im Studio als auch auf großen Bühnen behauptet. Charakteristisch waren massive Korpuskonstruktionen, lange Sustain-Phasen und ein kräftiges Fundament in den Tiefmitten.
Optisch orientierten sich die frühen Modelle an klassischen Double-Cutaway-Formen, erhielten jedoch eine eigenständige Silhouette. Die breite Kopfplatte, die stark konturierten Korpushörner und die prägnante Pickup-Anordnung machten den BB schnell erkennbar. Funktional stand eine möglichst direkte Übertragung der Saitenschwingung im Mittelpunkt.
1977: Der Beginn der Yamaha BB Bass Geschichte
Yamaha führte die BB-Serie 1977 ein. Zu den prägenden frühen Instrumenten gehörten der BB1200 und der BB2000. Beide Modelle zeigten, dass Yamaha in der Lage war, professionelle E-Bässe mit eigenem Charakter zu bauen. Statt sich ausschließlich an günstige Einsteiger zu richten, positionierte der Hersteller die Serie von Beginn an auch für anspruchsvolle Studio- und Tourmusiker.
BB1200: Druckvoller Splitcoil-Sound
Der BB1200 war ein viersaitiger Bass mit durchgehendem Hals und einem Splitcoil-Pickup. Sein Grundklang erinnerte in der Funktion an einen klassischen P-Bass, wirkte durch die Konstruktion jedoch oft straffer und sustainreicher. Auffällig war die umgekehrte Anordnung der beiden Pickup-Hälften: Unter den tiefen Saiten saß der Tonabnehmer näher am Steg, während er unter den hohen Saiten weiter in Richtung Hals rückte.
Diese sogenannte Reverse-P-Anordnung beeinflusst die Balance der Saiten. Die E-Saite erhält etwas mehr Kontur, während D- und G-Saite runder klingen können. Paul McCartney setzte einen linkshändigen BB1200 in seiner späten Wings-Phase und zu Beginn der 1980er-Jahre ein. Damit wurde das Modell auch außerhalb Japans sichtbar.
BB2000: P/J-Konzept mit durchgehendem Hals
Der BB2000 erweiterte das Konzept um einen zusätzlichen Steg-Pickup. Die Kombination aus Splitcoil und Singlecoil bot mehr klangliche Flexibilität: Der Halstonabnehmer lieferte Fundament und Tiefmitten, der Stegtonabnehmer ergänzte Definition, Knurren und stärkere Obertöne. Mit beiden Pickups entstand ein ausgewogener, moderner Ensemble-Sound.
Die Neck-through-Bauweise unterstützte langes Sustain und einen direkten Attack. Gleichzeitig fühlten sich die Instrumente solide und vergleichsweise massiv an. Der frühe BB-Sound war deshalb weniger luftig als kompakt: klare Tonmitte, kräftige Mitten und ein Bassbereich, der auch bei hoher Bühnenlautstärke stabil blieb.
Die 1980er: BB3000, Fünfsaiter und professionelle Expansion
In den 1980er-Jahren baute Yamaha die Serie erheblich aus. Der BB3000 entwickelte die hochwertige Neck-through-Linie weiter und verband sorgfältige Holzauswahl mit einer vielseitigen Elektronik. Einige Varianten erhielten aktive Schaltungen, mit denen sich Bässe und Höhen direkt am Instrument anheben oder absenken ließen.
Mit dem BB5000 präsentierte Yamaha zudem einen professionellen Fünfsaiter zu einer Zeit, als die tiefe H-Saite noch keineswegs zum Standard gehörte. In Pop, Fusion, Funk und moderner Studiomusik stieg der Bedarf an erweitertem Tonumfang. Yamaha reagierte darauf mit einem Instrument, das nicht nur zusätzliche Tiefe bot, sondern eine möglichst gleichmäßige Ansprache über alle fünf Saiten anstrebte.
Der Studiobassist Nathan East wurde zu einem der wichtigsten Yamaha-Endorser. Seine späteren BBNE-Signature-Modelle griffen zentrale BB-Ideen auf, wurden aber auf seine Anforderungen an Artikulation, aktive Klangregelung und ergonomische Bespielbarkeit zugeschnitten. Dadurch gewann die Marke besonders in der internationalen Studio-, Jazz- und Fusion-Szene an Ansehen.
Von Peter Hook bis Tony Kanal: Der BB in der Musikgeschichte
Der Einfluss der Serie lässt sich nicht auf einen einzigen Sound reduzieren. Peter Hook nutzte unter anderem Yamaha-BB-Bässe für seine melodischen, häufig in hoher Lage gespielten Basslinien. Sein Stil bei Joy Division und New Order verlangte nach deutlicher Ansprache, langem Sustain und einem Ton, der sich gegen Gitarren, Synthesizer und Schlagzeug behaupten konnte.
In Hard Rock und Pop-Punk erfüllte der BB eine andere Funktion. Michael Anthony setzte Yamaha-Bässe im Umfeld von Van Halen ein, während Tony Kanal von No Doubt verschiedene BB-Modelle spielte. Hier zählten vor allem druckvolle Achtelnoten, stabile Intonation und eine klare Ortbarkeit im dichten Bandmix.
Diese stilistische Bandbreite erklärt einen wesentlichen Teil der Langlebigkeit. Ein BB kann warm und traditionell klingen, lässt sich mit Steg-Pickup und aktiver Elektronik aber auch ausgesprochen präsent einstellen. Seine Identität entsteht weniger durch einen spektakulären Einzelsound als durch die Verbindung von Fundament, Definition und Zuverlässigkeit.
Neue Ausrichtung in den 2000er-Jahren
In den 2000er-Jahren rückten verschraubte Hälse und klar gegliederte Modellreihen stärker in den Vordergrund. Instrumente wie BB414 und BB614 machten die typische Pickup-Kombination für ein breiteres Publikum verfügbar. Passive und aktive Ausführungen deckten unterschiedliche Bedürfnisse ab, ohne die Grundidee der Serie aufzugeben.
Spätere Baureihen wie BB424, BB1024 und BB2024 kombinierten traditionelle Formen mit aufwendigen Konstruktionsdetails. Bei höherwertigen Modellen setzte Yamaha mehrteilige Korpuskonstruktionen, spezielle Halsverbindungen und Verfahren zur künstlichen Einspielung beziehungsweise Schwingungsoptimierung ein. Der Fokus verlagerte sich damit von der früher typischen Neck-through-Bauweise auf eine besonders feste Verbindung zwischen geschraubtem Hals und Korpus.
Die moderne BB-Serie seit 2017
Zum 40-jährigen Jubiläum wurde die BB-Familie grundlegend überarbeitet. Die moderne Modellpalette reicht von preisgünstigen Instrumenten der 200er-Serie über die 400er- und aktive 700er-Reihe bis zu den in Japan gefertigten Pro-Modellen. Vier- und fünfsaitige Versionen ermöglichen einen passenden Einstieg für unterschiedliche Stilrichtungen.
Sechsfach verschraubte Halsverbindung
Bei vielen aktuellen Modellen wird der Hals mit sechs Schrauben befestigt. Zwei davon verlaufen schräg durch den Halsfuß. Diese Gehrungsverschraubung zieht den Hals fester in die Halstasche und soll die mechanische Kopplung verbessern. Das Ergebnis ist ein unmittelbares Spielgefühl mit klarer Ansprache und stabilen Tiefmitten.
Diagonale Saitenführung durch den Korpus
Die Saiten werden bei entsprechend ausgestatteten Modellen schräg durch den Korpus geführt. Dadurch entsteht an der Brücke kein unnötig steiler Knick. Gleichzeitig wird der Saitenzug großflächiger in den Korpus übertragen. Alternativ lassen sich die Saiten bei vielen Ausführungen klassisch von hinten durch die Brücke einfädeln.
YGD-Pickups und aktive Elektronik
Die moderne P/J-Konfiguration besteht aus einem Splitcoil in Halsposition und einem Singlecoil am Steg. Die passiven BB234- und BB434-Modelle liefern einen direkten, unkomplizierten Klang. Ein BB734A beziehungsweise BB735A ergänzt einen aktiven Dreiband-EQ sowie eine passive Umschaltmöglichkeit. Das ist praktisch, wenn auf der Bühne schnell zwischen traditionellem Grundsound und stärker geformtem Signal gewechselt werden soll.
So entsteht ein typischer Yamaha-BB-Sound
Für einen klassischen BB-Ton sollte zunächst der Splitcoil dominieren. Beide Regler vollständig öffnen, anschließend den Steg-Pickup leicht zurücknehmen: So bleibt das Fundament erhalten, während zusätzliche Kontur hinzukommt. Mit Roundwound-Saiten entsteht ein klarer Rock- und Pop-Sound. Nickel-Saiten wirken etwas weicher; Edelstahl betont Attack und Obertöne.
Wer den warmen Charakter früher Modelle sucht, kann Flatwound-Saiten verwenden und die passive Tonblende etwas schließen. Ein mittelstarker Anschlag zwischen Hals-Pickup und Griffbrett erzeugt breite Tiefmitten. Für Peter-Hook-artige Linien empfiehlt sich dagegen ein härterer Anschlag näher an der Brücke, mehr Steg-Pickup und eine leichte Betonung der Hochmitten.
Bei aktiven Modellen gilt: nicht automatisch alle Frequenzen anheben. Ein neutral eingestellter EQ ist der beste Ausgangspunkt. Für Slap reichen häufig eine dezente Bass- und Höhenanhebung sowie leicht reduzierte Mitten. Im Rockmix funktioniert meist das Gegenteil besser: kontrollierter Tiefbass, präsente Mitten und nur so viele Höhen, wie für den Anschlag nötig sind.
Setup-Tipps für Spielbarkeit und Definition
- Halskrümmung: Ein leichtes Relief verhindert Schnarren, ohne die Ansprache träge zu machen.
- Saitenlage: Mittlere Werte unterstützen den kräftigen BB-Attack. Eine extrem niedrige Lage kann Dynamik und Tiefenwirkung reduzieren.
- Pickup-Höhe: Die tiefe Saite darf den Splitcoil nicht überfahren. Eine ausgewogene Lautstärke ist wichtiger als maximaler Pegel.
- Intonation: Nach jedem Wechsel von Saitenstärke oder Saitentyp müssen die Brückenreiter kontrolliert werden.
- Fünfsaiter: Für eine definierte H-Saite helfen frische Saiten, saubere Halsjustierung und ein Verstärker mit ausreichender Leistungsreserve.
Fazit
Die Geschichte des Yamaha BB Bass zeigt, wie konsequente Weiterentwicklung eine Instrumentenfamilie über Jahrzehnte relevant halten kann. Der BB begann 1977 als professioneller japanischer Bass mit durchgehendem Hals, markanter Splitcoil-Anordnung und kräftigem Grundton. In den 1980er-Jahren folgten aktive Modelle, Fünfsaiter und hochwertige Signature-Instrumente. Moderne Versionen verbinden diese Tradition mit stabilen Schraubhalskonstruktionen, flexibler Elektronik und praxisgerechten Preisklassen.
Für Bassisten ist der BB deshalb mehr als eine historische Alternative zu bekannten US-Designs. Er besitzt eine eigene Klangsprache: satt im Fundament, präsent in den Mitten und kontrolliert im Attack. Wer einen vielseitigen Arbeitsbass für Rock, Pop, Funk, Indie oder Studioeinsätze sucht, findet innerhalb der BB-Familie sowohl günstige Einsteigermodelle als auch professionelle Instrumente mit unverwechselbarer Historie.
Quellen & weiterführende Links
- Yamaha Hub: A Brief History of the Yamaha BB Bass
- Yamaha Europe: Aktuelle BB-Serie
- Yamaha Europe: Konstruktion und Ausstattungsmerkmale der BB-Bässe
- Reverb: A Brief History of Yamaha’s BB Bass
- MusicRadar: Yamaha celebrates 40 years of BB basses
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